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Joseph Haydn, Witold Lutosławski, Robert Schumann

6. Philharmonisches Konzert

Solist und Dirigent: Heinrich Schiff (Violoncello)
Sonntag | 20. März 2011 | 11 Uhr | Kieler Schloss
Montag | 21. März 2011 | 20 Uhr | Kieler Schloss


Joseph Haydn (1732-1809): Violoncellokonzert D-Dur, Hob VIIb:2
Witold Lutosławski (1913-1994): Muzyka Zalobna (Trauermusik)
Robert Schumann (1810-1856): 1. Sinfonie B-Dur, op. 38 (Frühlings-Sinfonie)

Solist und Dirigent: Heinrich Schiff

Einführung um 10.15 Uhr bzw. 19.15 Uhr

Mit dem Cellisten Heinrich Schiff konnten wir einen Solisten gewinnen, der das 6. Philharmonische Konzert zugleich als Dirigent leiten wird. Ausgesucht hat er sich für seinen Doppel-Auftritt Joseph Haydns Cellokonzert D-Dur, das auf Grund seiner zahlreichen virtuosen Passagen in hoher Lage größte spieltechnische Ansprüche stellt. Nichtsdestotrotz ist dieses Werk ebenso berühmt für seinen Reichtum an kantablen Melodien, in denen sich der Charakter des Soloinstruments voll entfalten kann, was besonders reizvoll erscheint, wenn man bedenkt, dass Cellospiel als instrumentale Nachahmung des menschlichen Gesangs gilt. Während im 1. Satz Solist und Begleitung noch eher als Partner denn als „gegnerische“ Parteien auftreten, entwickelt sich im Rondo-Finale ein äußerst temperamentvoller konzertanter Dialog.
Witold Lutosławski schrieb seine TRAUERMUSIK zum Andenken an Béla Bartók, dessen Tod sich 1955 zum zehnten Mal jährte. Ein spezieller Trauergestus durchzieht jedoch nur den 1. und den 4. Satz, die das gleiche Thema verarbeiten. Die Mittelsätze sind hingegen von einem quirligeren, lebensnahen Ton geprägt. Die klanglich fein differenzierte Komposition trägt bereits avantgardistische Züge, denn Lutosławski verwendete hier zum ersten Mal konsequent das Prinzip der Zwölfton-Reihe. So mischen sich in der TRAUERMUSIK musikalisch-programmatische Trauer-Symbole wie fallende Sekunden mit Techniken der modernen Musik und sogar einigen folkloristischen Anklängen wie im 2. Satz, den „Metamorphosen“, zu einem erstaunlich emotionalen Werk voll atmosphärischer Dichte.
Robert Schumanns „Frühlings-Sinfonie“ atmet, wie schon der Name verrät, „Aufbruchsluft“, und zwar in mehrfacher Hinsicht. Erstens autobiographisch, denn 1840 konnte der Komponist nach langen Querelen endlich seine geliebte Clara heiraten; zweitens musikalisch, denn Schumann beschloss, von Schuberts Großer C-Dur-Sinfonie ermutigt, sich vom sinfonischen „Übervater“ Beethoven zu lösen, und schließlich programmatisch, denn das gleich zu Beginn von Hörnern und Trompeten intonierte Motiv, welches gleich einer musikalischen Urzelle das gesamte Werk beeinflusst, wirkt in seiner aufrüttelnden Art wie die perfekte Vertonung einer Gedichtzeile des zeitgenössischen Poeten Adolf Böttger: „O wende, wende deinen Lauf, im Tale blühet Frühling auf.“ Bleibt also nur noch zu hoffen, dass bei dieser Sinfonie auch das Kieler Wetter die Ohren weit aufsperren wird.
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